Quilmes

Thu 17 Sep 2009 07:06:44 PM CEST | Comments: 0 |

Mehr schlecht als recht sind die Informationen im Lonely Planet wie mensch am besten und günstigsten diese größte archäologische Stätte Argentiniens besuchen kann, um so toller war dann meine Erfahrung.

Eigentlich wollte ich eine Tour von Tafí del Valle machen, zum Glück gab es aber zu wenige Teilnehmer, dafür aber den Tip am nächsten Morgen weiter nach Amaicha del Valle zu fahren und dort einen bestimmten Guide anzuheuern.

Schon am Busterminal habe ich dann am nächsten Morgen habe zwei Argentinier kennengelernt die das Gleiche vorhatten. In Amaicha erwartete uns dann auch eben dieser Guide, Sebastian, an der Bushaltestelle, hatte für den Nachmittag aber schon eine andere Exkursion. Wir ließen uns breitschlagen an dieser Exkursion teilzunehmen und die Nacht in Amaicha zu verbringen, dafür sollte es dann am nächsten Morgen nach Quilmes gehen.

Belohnt wurden wir mit einem Ausflug zu einer wunderschönen Schlucht und einer weiteren archäologischen Stätte die ausser Sebastian nur wenige kennen.

Amaicha-1  Amaicha-7

Im Hostel gab es dann am Abend noch ein hervorragendes Abendessen, für billig von den Wirten selbst, extra für uns zubereitet.

Und am nächsten Morgen, nach einem leckeren Frühstück dann Quilmes:

QuilmesPano2

In Quilmes selbst lebten wohl ca. 7000 Menschen und es war eines der letzten Widerstandslager gegen die Spanier, es viel erst 16hundertetwas.

Damit es überhaupt viel, mussten die Spanier alle Versorgungsverbindungen kappen und hierzu auch einen kleinen Staudamm bauen um das Wasser abzudrehen. So schafften es die Spanier, dass sich zunächst Frauen und Kinder, Alte und Kranke ergaben und aus der Festung herabstiegen. Die Krieger verschanzten sich jedoch weiter in ihrer Festung, um auch deren Widerstand zu brechen begannen die Spanier die Frauen und Kinder zu quälen und zu foltern.

Als sich dann auch die Krieger ergaben, wurden die verbleibenden rund 2000 Menschen von Quilmes, einige hundert hatten es geschafft weiter hoch in die Berge zu flüchten, gezwungen sich auf einen beschwerlichen Marsch Richtung Buenos Aires zu machen. Ihr Tal verließen sie über den Pass rechts oben im Bild. Nur knapp 400 schafften es nach Buenos Aires.

Eine Entschuldigung der Spanischen Krone für diese und andere Gräueltaten hat es meines Wissens nie gegeben...

 

Irgendwann im 18ten Jahrhundert ist den Spaniern dann bewusst geworden, dass ein komplett leeres Tal ihnen auch nichts bringt und sie haben den Quilmes, den Nachfahren derer die in die Berge entkommen waren und derer die den Marsch nach Buenos Aires überlebt hatten, das Tal zurück gegeben.

 

Im vorigen Jahrhundert ging die unrühmliche Geschichte aber weiter. 

 

Zunächst enteignete die Militärdiktatur die Ruinen von Quimes um sie teilweise als Touristenattraktion wiederaufzubauen. Dabei wurden leider keine der internationalen Regeln zur Restauration archäologischer Stätten eingehalten, so dass die Ruinen selber nur bedingt dem ursprünglichen Zustand entsprechen. Die meisten der archäologischen Fundstücken sind auch irgendwo bei den Militärs und auf dem Schwarzmarkt verschwunden.

Von den rund 50 Indigenen die damals zur Mitarbeit gezwungen wurden haben nur die wenigsten jemals auch nur einen Peso für ihre Arbeit gesehen.

 

In den Neunzigern kam dann die Regierung von Carlos Menem, IWF-Musterschüler, auf die Idee die Stätten zu privatisieren. Gleichzeitig aber mit rund 2,5 Millionen Dollar weitere "Restaurierungen" sowie den Bau eines Hotels zu subventionieren. 

Da das Hotel unbedingt am Fuße der "restaurierten" Ruinen stehen musste, wurde es einfach über weitere unrestaurierte Ruinen, innerhalb der alten Stadtmauern gebaut, 500m weiter weg wären die archäologischen Stätten nicht mehr berührt gewesen. Brüllend

Als qualitativ hochwertiges Hotel musste es natürlich auch einen Pool bekommen, in einer Gegend mit extremen Wassermangel, wo jede Familie für ihre private Landwirtschaft nur alle 40 Tage 12 Stunden Wasser bekommt.

Auch lokale Handwerkskunst sollte vor Ort angeboten werden, tatsächlich wurden im eigens errichteten Laden aber nur importierte Ware aus Ecuador und Peru angeboten, die lokalen Kunsthandwerker durften ihre Erzeugnisse nichtmal an der 6 km langen Strecke von der Hauptstrasse zu den Ruinen anbieten.

Irgendwann in ca. 2002 wurde es der lokalen Indigenen Gemeinschaft dann zu bunt und sie blockierten die Zufahrt zu den Ruinen, teilweise die Ruinen selbst.

Kurz bevor das ganze in einen lokalen Bürgerkrieg ausgeartet wäre, lenkte dann die nationale Regierung ein und sprach der Enteignung während der Militärdiktatur die Rechtmässigkeit ab. Die Ruinen selbst wurden der lokalen Gemeinschaft zurück gegeben, das Hotel stillgelegt. Das Gebäude des Hotels wird aber weiterhin von der nationalen Polizei bewacht und die Gemeinschaft hat keinen Zutritt. Ausserdem sind weiterhin Verfahren gegen Einzelne wegen illegaler Landnahme und -besetzung anhängig.

Zumindest die Einnahmen der Ruinen gehen jetzt wieder an die lokale Gemeinschaft und auch die lokalen Kunsthandwerker können ihre Produkte vor Ort verkaufen.

 

Zu guter letzt, als die Quilmes damals über den Pass getrieben wurden, war das ganze Tal grün. Vor 500 Jahren trieben die Einheimischen Handel mit den umliegenden Dörfern vor allem Dank der großen landwirtschaftlichen Möglichkeiten.  Schon die Spanier stauten aber den Fluss weiter flussaufwärts auf um Silber- und Goldminen zu betreiben. Aktuell sind es Kupfer- und Uranmienen die dem Fluss täglich mehrere Millionen Liter Wasser entnehmen. Aber auch sonst scheinen die Mienen keinen guten Einfluss zu haben. In ihrer Nähe leiden auffällig viele Frauen unter Brust- und Gebärmutterkrebs. Die Guanacos (aus der Familie der Andenkamele ähnlich den Lama) verlieren ihre Haare, so dass sie in den kalten Nächten erfrieren, ein Schelm wer da im Zusammenhang mit Uranmienen an Leukämie denkt. Auch die Füchse leiden unter einer komischen Krankheit, dies führt dazu das sie keine Puma-Jungen mehr erlegen, dies wiederum führt zu einer zu hohen Population der Puma. Zusammen mit der Krankheit der Guanacos bedeutet dies eine Beuteknappheit für die Pumas oben in den Bergen, so dass sie herunterkommen und das Vieh der lokalen Bauern erlegen. Pachamama (Mutter Erde) schließt also den Kreis und rächt sich am Menschen der Ihr nicht genug Respekt entgegenbringt, leider kann sie dabei nicht unterscheiden wer der wirklich Schuldige ist.

 

Ihr seht ich hatte einen tollen Guide…

 


Rating 5.0 (1 vote)

No Comments


Add a comment:

( anonymous)
Private (don't publish)

Subscribe to comments RSS Feed