Potosi, Cerro Rico, die ehemalige Silberkammer Südamerikas

Mon 28 Sep 2009 11:48:19 PM CEST | Comments: 0 |

Vor lauter Reisen bin ich leider nicht dazu gekommen Euch auf dem Laufenden zu halten, hier jetzt mal meine Erfahrungen von Heute, was vorher geschah dann später.

Also schon seltsamer Zufall, da wählen die dummen Bundesbürger Privatisierungswahn, Sozialkürzung und Freifahrtschein für weitere Umweltverschmutzung in die Regierung und ich klettere am nächsten Tag in eine Mine in der Privatisierung und Umweltverschmutzung die letzen 500 Jahre gang und gäbe war und wo jetzt endlich, dank des sozialistischen Projekts Evo Morales' sowas ähnliches wie Arbeitsschutz und (dank deutscher Finanzierung) Umweltschutz herrscht.

Der Cerro Rico, der reiche Berg, von Potosí war die Silberkammer der Spanier, in dem Tausende, wenn nicht Millionen Indigener und Schwarzer Sklaven verheizt wurden. Die Silbervorkommen sind nahezu erschöpft, aber offensichtlich sind in den Gesteinen noch genug weitere Mineralien vorhanden, so dass der Abbau weiterhin lohnt. Wie dieser allerdings von statten geht ist im wahrsten Sinne des Wortes Atemberaubend.

Auf einer Tour, geführt von ehemaligen Kumpeln durfte ich auch mal rein in eine solche Mine. (Glücklicherweise war ich nur mit einem anderen Touristen, allerdings auch einem Deutschen, in der einzigen Spanischen Gruppe.) Ein beeindruckendes Erlebnis, und ich bin wirklich froh es gemacht zu haben, aber keine zehn Pferde bekommen mich wieder in diesen Schacht! Es ist heiß, es ist kalt, es ist staubig und es ist ENG! Und wir reden hier von einer Miene deren Eingang sich auf ca. 4330m über NN befindet, vom Sauerstoffgehalt der Luft wollen wir also gar nicht reden.

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Also rein in diese Miene, am Anfang konnte sogar ich noch aufrecht gehen, aber das hielt noch nicht einmal die ca 360m bis zum Museum welches in einem Nebenstollen errichtet wurde. Zu sehen war hier u. a. einer der ersten Tíos dieser Miene, Beschützer und Teufel zugleich. Ihm werden Coca-Blätter, Alkohol, Zigaretten und altes Arbeitsgerät geopfert, früher auch Llamas und Llama Blut, aber heute schuften nur noch Menschen in den Mienen.

Den Mund bzw. die Wange voller Coca-Blätter ging es dann weiter hinein in die Miene, die zahlreichen Schläuche an der Decke dienen allerdings weniger der Belüftung als der Versorgung der Presslufthammer mit Druckluft. Auf dem ersten Level konnte auch ich sogar noch halbwegs gehen, wenn auch meist gebückt. Die Lichtverhältnisse und die Position meines Kopflichtes fest auf meinem Helm machten aber auch so das Vorwärtskommen nicht gerade einfach. Denn in gebückter Form konnte ich natürlich nicht wirklich sehen was vor mir kam, ständiges helmstoßen gehörte also auch hier dazu.

Ein Level tiefer ging es dann über einen abschüssigen Schacht, teilweise auf dem Hosenboden rutschend, das ganze mit wenig mehr als 40-60 cm Platz über mir. Hierbei muss ich auch die Tüte Coca-Blätter verloren haben, die eigentlich für die arbeitenden Kumpel bestimmt war. Coca unterdrückt den Hunger, und da die Jungs hier bis zu 10 Stunden am Stück untertage arbeiten ist das natürlich hilfreich. Über mitgebrachtes Dynamit und Limonade haben sie sich aber trotzdem gefreut. Eduardo, der erste arbeitende Kumpel den wir hier unten getroffen haben ist schlappe 19 Jahre und arbeitet seit 5 Jahren in der Miene. Er hat keinen Presslufthammer sonder prügelt mit purer Muskelkraft einen Stahlnagel in den Fels um diesen später mit etwas Dynamit aufzusprengen. Schlappe vier bis fünf Stunden prügelt er auf den Stahlnagel ein, bis das Loch tief genug ist für die Sprengung.

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Auf Level 3 ging es dann über eine sehr wackelige Holzleiter, die Sprossen waren zwar fest, drehten sich aber in sich selbst. Zu sehen gab es hier eine Lore, die von zwei Kumpeln gezogen und von zwei weiteren geschoben wurde, in den Loren werden bis zu 2 Tonnen Gestein transportiert... An einem bestimmten Ort mit Verbindung nach oben wird das Gestein abgekippt und dort dann von zwei weiteren Kumpeln neu aufgeschüttet. Wir durften ca. 2 Minuten selbst mit anfassen, danach war ich fix und alle! Und die Jungs machen das auch ca. 6-8 Stunden am Tag, am nächsten Tag muss der gerade aufgeschüttete Haufen dann in sackähnliche Behälter geschaufelt werden, damit das Gestein an die Oberfläche geschafft werden kann.

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Level 4 erreichten wir dann wieder über eine Holzleiter, die war nicht ganz so wackelig, unten angekommen ging es aber zunächst nur robbend weiter! Der Kumpel den wir hier bei der Arbeit antrafen arbeitete an einer relativ reicheren Ader, er prügelt nur 2-3 Stunden auf seine Stahlnagel ein bevor er eine kleiner Sprengung macht. Zurück zur Leiter nach oben ging es um ein Loch nach unten Richtung Level 5, hier gab's keine Leiter oder ähnliches, da runter geht's nur in Freeclimbing Manier...

Der Weg wieder rauf/raus hat mich fast umgebracht! Das Tuch, was ich gegen den Staub vor den Mund gebunden hatte, war mittlerweile klitschnass, atmen viel also noch schwerer. Endlich oben/draußen angekommen war ich schwer überrascht wieviel Sauerstoff dann doch auch auf 4300m in der Luft sein kann.

Zum Abschuss gab es noch eine kleine Terrorübung, Dynamitstange durchkneten, Zünder und Lunte reindrücken, das ganze mit ordentlich Dünger in einer Plastiktüte umgeben. Ich durfte das ganze dann auch mit brennender Lunte nochmal in der Hand halten, dauert ja ca. 3 Minuten bis zur Explosion...

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Wie gesagt, keine zehn Pferde kriegen mich noch mal in so eine Miene, aber die Erfahrung war trotzdem beeindruckend.


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