Hansa Rostock vs. FC St. Pauli - Keinen Fussball den Faschisten!

Gleich rein in die Story, keine Einleitung, sorry:

Vom S-Bahnhof zum Stadion waren es gefühlte ca. 10 Minuten Fussweg, überall war viel Polizei, allerdings kein von mir erwarteter Kessel.

Von dem, was ich mittlerweile im Netz gelesen habe, muss es wohl schon am Bahnhof einen kurzen Zwischenfall gegeben haben, bei dem Flaschen über Polizei und Bahngleise hinweg auf die Gruppe der Pauli Fans geflogen sind. Davon habe ich allerdings nichts mitbekommen.

Auf dem Weg zum Stadion war dann alles abgesperrt. Der Weg führt eine gerade Straße hoch und in jeder Querstrasse stand Polizei.

Nur einmal kam es kurz zu einem erneuten Zwischenfall. Was da genau ging kann ich nicht sagen, nur dass ich da aufeinmal 2 oder 3 Glatzen mit Hansa Klammotten gesehen habe, die von Pauli Leuten angepöbelt bis angegriffen wurden. Wer da wo wie warum weshalb schuld war spielt bei all dem was danach kam auch keine Rolle mehr…

Von der Straße, die wir hochgegangen sind, geht es irgendwann rechts ab Richtung Stadion, gerade aus war die Straße durch die Polizei abgesperrt. An einer Eishalle vorbei geht es auf einem Weg, der ungefähr so breit ist wie eine zweispurige Straße zum Stadion.

Auf der anderen Seite des Weges ist Bebauung. Ab hinter der Eishalle gibt es auf dieser Seite des Weges ein 2-3 Meter hoher Zaun bis zum Stadion um die Gäste- von den Heim-Fans zu trennen, auf der anderen Seite geht die “anonyme” (egal was da steht) Bebauung weiter - worum es geht: es gibt kein Rechts, kein Links, geradeaus geht’s zum Stadion, die Alternative ist rückwärts, Ausweichmöglichkeiten gibt es nicht!

Ich war nicht unter den Ersten die diesen Weg lang gehen wollten/mussten, aber doch recht weit vorne. Auf der andern Seite des Zauns waren schon pöbelnde Rostocker zu sehen und dann kamen die Flaschen,

geflogen,

über den Zaun,

und nicht ein oder zwei,

sondern hunderte.

Es hat Flaschen und Steine geregnet.

(Aus einem Bericht der OstseeZeitung  kann man entnehmen, dass da wohl in direkter Nähe ein Altglasscontainer steht.)

Ich kann nicht sagen, ob die Bullen schon die ganze Zeit vor dem Zaun standen oder erst am Anfang der Flaschenwürfe kamen, für mich schien es, als ob die die ganze Zeit in einer Reihe (ca. ein Bulle pro Meter) vor diesem Zaun standen, während die Flaschen über sie rüber auf uns prasselten!

Ja, es sind dann auch Flaschen und / oder Steine von der Pauli Seite aus zurück geflogen, aber nicht annähernd so viele, wie auf uns geflogen sind und die Pauli Seite hat auch garantiert nicht angefangen! 

Ich habe mir das ganze ca. 5-10 Minuten angeguckt, bevor ich versucht habe ins Stadion zu kommen (auf dem Weg dahin musste ich unter dem Flaschenhagel durch). In der ganzen Zeit haben die Bullen NICHTS getan, es gab nur welche auf unserer Seite des Zauns und keine auf der Anderen!

Ich habe zwei Bullen laut angebrüllt/gepöbelt, dass sie sich doch bitte mal bewegen könnten und auf der anderen Seite des Zauns irgendwie diesen Hagel unterbinden könnten. Die Polizistin von den Beiden hat mich ignoriert, der Polizist machte mir mit seiner Spraydose in der Hand klar, dass ich ihn doch bitte ganz schnell in Ruhe lassen sollte, sonst würde ich sein Pfefferspray kennenlernen. 

Ich habe mehrere andere Leute gesehen, manche auch gesprochen, die vom Pfefferspray zu-geschwollene Gesichter hatten. Wahrscheinlich, oder auch sicherlich, haben einige davon das Spray auch deshalb (zu Recht?!) abbekommen, weil sie zurück geworfen haben, aber genauso sicher haben auch welche etwas abbekommen die nicht aktiv beteiligt waren.

 In der ganzen Zeit habe ich keine Bullen auf der anderen Seite des Zauns gesehen! 

Von dem was ich gelesen habe, sind die Bullen dann irgendwann durch die Eishalle zu den Rostockern gekommen und haben dem Spuk da ein Ende bereitet (aber halt erst gefühlte 3 Millionen Flaschen später, sie hatten angeblich keinen Schlüssel für die Tore im Zaun).

Aber auch der Einlass gestalltete sich schwierig.

Die erste Kontrolle mussten mitgebrachte Ordner aus Hamburg übernehmen, die konnten aber nur Leute reinlassen, die dann hinterher von den viel zu wenigen Rostocker Ordnern abgetastet werden konnten. Es waren so wenig (Rostocker) Ordner da, dass die letzten Fans erst kurz vor Anpfiff ins Stadion kommen konnten, obwohl wir lange, lange vorher da waren. Und die Hamburger Ordner waren schon schwer sauer als ich reingekommen bin!

Als gewisse Schikane von Seiten des Vereins Hansa Rostock gegen die Fans von St.Pauli könnte man auch die Besetzung der Bier- und Wurststände bezeichnen. In den Ständen, in denen am Millerntor häufig locker acht Leute arbeiten, arbeiteten hier nur Vier!

Ich weiß nicht wie es am Millerntor ist wenn die Fangruppen streng getrennt werden, aber bei vielen Spielen ist es hinter der Nordkurve (am Millerntor) (wo auch der Gästeblock ist) auch durchlässig und die gegnerischen Fans werden nicht anders behandelt als die Heimfans. Auch in Mainz wo ich letzte Saison mit Pauli war, sind wir nicht so verarscht worden!

Zum Spiel muss nicht viel gesagt werden, wen’s interressiert kann das überall nachlesen, Pauli hat verdient, vieleicht aber ein bisschen hoch verloren.

Zu dem was aber im Block neben uns abging ist einiges zu sagen:

Der Gästeblock ist nach beiden Seiten durch eine ca. 2,5 Meter hohe durchsichtige Plexiglass Wand vom Rest des Zuschauerbereichs getrennt. Zumindest auf der Seite der Kurve (Gegensatz: Gerade/Stadion Längsseite) war auf der Rostocker Seite noch ein Bereich von 5-10 Metern (von der Trennwand bis zum nächsten Aufgang) als Pufferzone abgesperrt. Dies zunächst mit Flatterband und ein, zwei Ordnern, später mit drei, vier Ordnern oder auch garnicht mehr, bis dann die Polizei geräumt hat, aber schön der Reihe nach.

Zunächst mal waren schon am Anfang die zwei Ordner damit überfordert den Pufferbereich wirklich frei zu halten, mein Eindruck war aber eher, dass es ihnen egal war.

Schon vor dem Spiel kamen also immer mal wieder Pöbler bis an die Trennwand und wurden nur sehr langsam wieder aus dem Pufferbereich rausgeholt.

Das ganze Spiel über gab es in der Kurve neben uns Typen, die ungeahndet, zu uns hin gerichtet, den rechten Arm hoben, mal mit gestreckter Hand, also zum normalen Hitlergruss, mal mit Daumen, Zeige- und Ringfinger zum Kühnen-Gruss gespreitzt!

Es gab während des Spiel mehrfach Wechsel-Gesänge von “Scheiss Sankt Pauli”, bei denen die eine Seite des Stadions der anderen im Wechsel antwortet. Das kann man als normal empfinden, ob gegen andere Vereine so gepöbelt wird weiß ich nicht, wahrscheinlich schon, deshalb reg ich mich auch eher über folgendes auf:… 

Nichtmehr normal/tollerierbar ist das U-Bahn-Lied, dessen Refrain eine U-Bahn von Sankt Pauli nach Auschwitz bauen will. Da lass ich mir von keinem Hansa Verantwortlichen oder auch Fan mehr was von der kleinen Gruppe Nazis erzählen!

Sicherlich hat nicht das ganze Stadion das U-Bahn-Lied gesungen, aber genug, dass man es wohl auch in den Fernsehbildern hören dürfte!!

Homophobie ist ja leider mittlerweile auch (wieder) recht gesellschaftsfähig, wenn aber das halbe Stadion gegen die “Schwulen Hamburger” pöbelt geht das zu weit!

Und damit ist die Politik auch schon im Stadion. Da bringen auch die “Das hat mit Fuss, das hat mit Ball, das hat mit Fussball nix zu tun” Gesänge nix mehr. Die waren übrigens eine Reaktion/Antwort auf unsere “Alerta, Alerta, Antifascista” Gesänge.

Und anstatt selber was gegen die Nazis in den eigenen Reihen zu tun, hat fast das ganze Stadion gepiffen oder höhnisch geklatscht während wir “Nazis Raus!” skandiert haben!

Mag sein das die Leute auf der anderen Seite des Stadions die Hitlergrüsse nicht gesehen haben und St. Pauli Fans eh nur als Linke Zecken sehen, aber wer ein “Nazis Raus!”, im Stadion oder wo auch immer, auspfeift, macht den Nazis Mut und stärkt ihnen den Rücken!

Ich selber habe mich ab ca. Mitte der zweiten Halbzeit an die Plexiglaswand, die unseren Block von der Rostocker-Kurve trennte, gestellt und meine Anti-Nazi Fahne dagegen gehalten. Ich habe also nicht nur sprichwörtlich aus erster Reihe mitbekommen, wie 20-50 Vollidioten nach Spielende versucht haben unseren Block zu stürmen. 

Zum Glück waren da genug Leute, die sich nicht zu schade waren den Block zu verteidigen, d. h. zu verhindern, dass die Idioten über die Plexiglasswand klettern. Viele davon haben das mit blutigen Händen bezahlt, denn die Rostocker Hools haben mit ihren Gürten bzw. Gürtelschnallen auf oder nach den Händen geschlagen die auf der Wand waren. Ich weiß nicht, ob das ganze zehn oder zwanzig Minuten oder ne halbe Stunde gedauert hat, die Ordner waren jedenfalls schon kurz nach Abpiff des Spiels (was wohl für die Hools der Anpfiff zur dritten Halbzeit war) geflüchtet und es hat diese gefühlte Ewigkeit von 10 bis 30 Minuten gedauert bis die Polizei den Block geräumt hatte.

Auch im Pauli Forum habe ich heute noch Kommentare gelesen, nach denen die Leute, insbesondere die (nach) Autonomen (aussehenden), die an der Wand standen und somit direkt in die Auseinandersetzung involviert waren, die ganze Sache noch angeheizt und die Hools motiviert hätten. Ausserdem hätten die Hools mit ihren 50 Mann ja nie unseren Block stürmen können und wenn, dann hätten sie, die Hools, ordentlich auf die Schnauze bekommen. 

Ich denke, dass ohne die Leute, die in forderster Front, wirklich gekämpft haben, diese 50 Mann über die Wand gekommen wären (wer weiß wieviele dann noch nach gekommen wären). Und dann wären sicherlich nicht alle Pauli-Fans anderen zur Rettung gekommen. Mag sein, dass vieleicht all diese 50 Mann derbe auf die Schnauze bekommen hätten, aber vorher hätten andere von denen auf die Schnauze bekommen, wie heftig überlege sich jeder bei einem Blick auf die Fotos (Links weiter unten). 

Und daran, was durch die Panik, die solch ein Sturm ausgelöst hätte, passiert wäre, daran möchte ich gar nicht denken. 

Die Leute, und besonders die Autonomen, die da unseren Block verteidigt haben, haben schlimmeres verhindert! 

Und das sage ich als jemand der hinterher, auf dem Weg vom Stadion zurück zum Bahnhof, sich mit Genossen angelegt hat, weil diese noch Fahnenstangen als Knüppel dabei hatten!Wie gesagt, irgendwann wurde der Rostocker Block dann von der Polizei geräumt.

Auch der Vorplatz war zu diesem Zeitpunkt geräumt und wir wurden irgendwann (immernoch nicht im Kessel, danke Polizei(ehrlich, danke!)!) zurück zum Bahnhof eskortiert.

 Hier  und hier gibts Fotos.

Hansa hat mittlerweile die Ausschreitungen verurteilt.

Das unglaublich untätige Verhalten der Polizei, insbesondere bei dem Flaschenhagel vor dem Spiel, ist auch nicht ihre Schuld. Aber eine echte Distanzierung von Nazis und Hools sieht trotzdem anders aus!

Besonders lächerlich fanden ich und andere den Stadionsprecher, der in die Ausschreitungen hinein den Mob aufforderte “Lasst das doch sein, wir haben doch gewonnen“. Das hörte sich in dem Moment für uns an, als wäre es ja in Ordnung, wenn Rostock denn verloren hätte!

Der FC Hansa Rostock muss hart bestraft werden!

Und nicht wieder durch ein Heimspiel im Berliner Olympiastadion, bei dem sie dann mehr einnehmen als bei jedem ausverkauften Spiel im eigenen Stadion (so passiert, Hintergrund leicht zu googlen).

Von Nazis und Hools kann man sich nicht nur distanzieren, man muss auch etwas gegen sie tun!

Das fängt damit an, dass Hitlergrüsse, auch bei Spielen gegen die linken Zecken von Sankt Pauli, im Stadion nicht geduldet werden! (Ja, Thor-Steinar Klamotten sind laut Stadionordung im Rostocker Ostseestadion verboten, gesehen haben wir auch die trotzdem!)

Und wenn das halbe Stadion “Wir bauen eine U-Bahn von Sankt Pauli bis nach Auschwitz” singt, dann ist es auch nicht ein Problem von kleinen Gruppen!

In Mainz haben auch wir linken Zecken kein “Nazis Raus”, kein “Alerta, Alerta, Antifascista” skandiert, einfach weil es nicht notwenig war.

Aber wenn Menschen im Stadion den rechten Arm heben, dann ist es richtig und wichtig wenn wir als Fans des F.C. St Pauli Politik ins Station tragen und sagen KEINEN FUSSBALL DEN FASCHISTEN!

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